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Achtung:

Dino Fino und das tohuwabohuauslösende Notizbuch ist der vierte Teil der Dino-Fino-Reihe. Du solltest also unbedingt den Teil 1, 2 und 3 gelesen oder gehört haben.

Also jetzt wird es aber auch mal langsam Zeit, dass das Fest des friedlichen Zusammenlebens endlich über die Bühne geht. Wenn da nur nicht Philibuster Planowiak wäre, der echt ätzende „Meister“, der alles leiten soll. Und dann dieses widerliche Kussritual … und Geschenke gibt es auch keine …  also so richtig Lust hat da keiner drauf.

Dann tauchen auch noch die Wassersaurier auf und beschweren sich, weil sie von den „Landeiern“ (wie sie sie nennen) ausgegrenzt werden. Als sich Dino und seine Freunde mit ihnen anfreunden, wird es richtig spannend. Denn die drei Flussbewohner nehmen die Dinos mit auf die geheimnisvolle Insel „Echslantis“. Dort lernt Dino Plyntschia kennen, das riesengroße, unheimliche Wasserorakel. Die schickt die Jungs auf die Suche nach einem sagenumwobenen Notizbuch. Und die zwei Freunde brechen auf zu einer verrückten Reise, sehr, SEHR weit zurück in die Zeit vor der Zeit vor unserer Zeit.

Dort machen sie eine spektakuläre Entdeckung. Sie wissen sofort: Wenn DAS bekannt wird, wird nichts mehr sein wie zuvor.     

 

Die Geschichte in Bildern

Bildergeschichte Buch 4

Buch 4:

Dino Fino

und das tohuwabohuauslösende Notizbuch

 Viel Spaß mit den ersten beiden Kapiteln

Niemand möchte gerne den Saurier im Sack kaufen. Deswegen haben wir euch hier die ersten zwei Kapitel des vierten Teils "Dino Fino und das tohuwabohuauslösende Notizbuch" veröffentlicht.
Und zwar einmal für Leser und einmal für Hörer.
Viel Spaß damit!

Umzug, Engpass, dicker ZehPeter Kruck
00:00 / 12:05

Kapitel 1: Umzug, Engpass, dicker Zeh

„IGITT!!! GEH WEG!“ Sauriah hebt zur Abwehr ihre Hände. „Das ist ja widerlich!“ Mit blutverschmierten Lippen kommt Ricky auf sie zu und schmatzt dabei ein paar Küsschen in die Luft. In seinen Händen hält er einen blutigen Klumpen … ist das etwa rohe Leber? Das darf doch wohl nicht wahr sein! Erst hat das eklige Ferkel da reingebissen, und jetzt will er Sauriah küssen!

Und so sagt er dann auch: „Na komm schon her, mein Schneckchen, gib dem Ricky ein Bussi!“ Und wieder macht er diese widerlichen Schmatzgeräusche. Sauriah bleibt nur eins übrig: Sie holt mit dem Fuß aus, um ihm mit voller Wucht vor das Schienbein zu treten … und … AUA!!!

Erschreckt fährt sie hoch. Um sie herum ist alles dunkel, und ihr dicker Zeh pocht. Sie braucht ein paar Sekunden, um zu verstehen, wo sie ist. Und dann knipst sie ihre Nachttischlampe an. Verdammt, denkt sie, wieder dieser eklige Alptraum! Und diesmal hat sie sich wohl obendrein auch noch wehgetan. Offensichtlich hat sie mit voller Wucht mit ihrem rechten Fuß gegen den Bettpfosten getreten. Das tut vielleicht weh! Hoffentlich hat sie sich nicht den Zeh gebrochen.

In dem Moment kommt ihre Mutter zur Tür herein; auf dem Arm trägt sie Sauriahs kleinen Bruder. Sie fragt: „Wieder dieser fiese Alptraum mit dem kleinen Rexkowski?“ Sauriah nickt und reibt sich ihren schmerzenden Zeh. Ihre Mutter fährt fort: „Ich glaube, ich muss mal mit Frau Fino sprechen. Das kann ja so nicht weitergehen!“ Sauriah winkt aber entschlossen ab. „Nein, Mama, bitte tu das nicht. Ich schaff das schon alleine!“ Ihre Mutter setzt sich zu ihr aufs Bett und will sie in den Arm nehmen. Dabei berührt sie aus Versehen den Fuß ihrer Tochter. Sauriah zuckt mit schmerzverzerrtem Gesicht zusammen. Ihre Mutter fragt: „Was hast du denn da?“ Sauriah winkt ab: „Ach, nichts, ich hab nur im Traum aus Versehen gegen den Bettpfosten getreten!“ Die Mutter schnaubt wütend und sagt: „Jetzt reicht‘s! Ich kläre das mit diesem blöden Ritualkuss! Versprochen, mein Engel!“

Dann schaut sie sich den Fuß ihrer Tochter genauer an. Der Zeh ist dick und rot. Sie sagt: „Das gefällt mir gar nicht! Ich möchte gerne, dass sich die Kräuterexe das einmal anschaut! Am besten kommst du morgen nach der Schule direkt mit in den Wald, ich hab nämlich sowieso einen Termin bei ihr. Der Kleini hat Schuppenschorf; ich glaube, er verträgt das neue Milchpulver nicht!“ Natürlich … denkt Sauriah … der Kleini muss zur Kräuterexe, und sie darf mitkommen! Wie freundlich! Immer geht’s zuallererst um den Kleini! Sie hat das Gefühl, dass sich ihr kleiner Bruder ständig dazwischen drängt. Irgendwie hat sie ihre Mutter gar nicht mehr für sich allein.

Da steht die auch schon auf, streichelt ihrer Tochter flüchtig über den Kopf und sagt: „Schlaf noch ein bisschen, mein Schatz!“ Dann küsst sie sie auf die Stirn und geht.

Sauriah ist jetzt aber hellwach. Sie greift unter ihre Matratze und holt ein Heft hervor, das sie dort versteckt. Denn Sauriah führt seit einiger Zeit ein Tagebuch. Und jetzt ist ihr danach, dort ein paar Gedanken und Gefühle loszuwerden.

Ein paar Stunden später bei den Rexkowskis am Frühstückstisch. Die beiden Schwestern reden miteinander, und Ricky hat aufmerksam die Ohren gespitzt. Rabiata sagt: „Du hast schon ein Haus gefunden? Echt? So schnell?“ Roberta nickt glücklich. Vor ihr liegt ein Vertrag, den gerade Mauli, der kleine Maulwurf, per U-Maul zugestellt hat. „Mein alter Freund Raptus, der Anwalt, hat sich darum gekümmert. Es ist in Dinhausen, und stell dir vor: Es hat vier Schlafzimmer!“ Rabiata glotzt blöd aus der Wäsche: „Was wollt ihr beiden denn mit vier Schlafzimmern?“ Stimmt ja, denkt Roberta, ihre Schwester darf man ja nicht überfordern. „Das sagt man doch nur so! Ich denke, das wird so laufen: Eins wird tatsächlich unser Schlafzimmer, und dann können Hyazinthus und ich uns jeweils ein Arbeitszimmer einrichten. Tja, und eines …“, sie schaut liebevoll ihren Neffen Ricky an, „… eines ist für dich, mein Schatz! Wann immer du uns besuchen möchtest, kannst du dort übernachten, wenn du willst!“ Ricky strahlt die Tante glücklich an. Aber dann verzieht er doch noch genervt sein Gesicht: „Aber musste das ausgerechnet in dem bescheuerten Dinhaufen sein?“

Was ihr noch nicht wisst, liebe Kinder: Zwischen den Echsheimern und den Dinhausenern herrscht seit ewigen Zeiten ein erbitterter Nachbarschaftsstreit. Grund dafür ist, wie oft in solchen Geschichten, eine Kleinigkeit. Und zwar ging es um den „Sonnenblumenstreit“, wie man ihn heute nennt. Damals gab es einen Wettbewerb. Und zwar sollte diejenige Stadt ausgezeichnet werden, die die größte Sonnenblume aufweisen konnte. Eigentlich also keine große Sache. Gewinner war, wer die Sonnenblume mit den meisten Kernen lieferte. Bei der Auszählung war es dann auch ein enges Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Dinhausen und Echsheim. Echsheim gewann knapp mit nur drei Kernen Vorsprung. Angeblich, das behaupten die Dinhausener heute noch, kam in einem kurzen, unbeobachteten Moment ein Vogel angeflattert. Und der soll drei Kerne der Dinhausener Sonnenblume weggepickt haben. Die Echsheimer lachen sich darüber noch heute kaputt und behaupten, dass die „Dinhaufener“ sich das nur ausgedacht haben und einfach schlechte Verlierer seien. Der Streit drohte, aus dem Ruder zu laufen. Um ein Haar hätte es eine Massenschlägerei gegeben. Aber dann passierte es: Dann kam die Bürgermeisterin von Jurassisburg den Berg herab, auf dem diese Stadt liegt. Und sie trug eine Sonnenblume, groß wie ein Wagenrad. Die Dame lächelte freundlich, schlug vor, den albernen Streit zu beenden, und machte sich direkt wieder auf den Heimweg.

Allerdings ist der Streit alles andere als beendet. Seitdem sprechen die Echsheimer nur von „Dinhaufen“ und die Dinhausener von „Echsschleim“. Das Stadtwappen von Echsheim zeigt dann auch eine wunderschöne Sonnenblume. Und das von Dinhausen einen Vogel, der gerade dabei ist, drei Sonnenblumenkerne aufzupicken. Und wann immer die Bürger beider Städte aufeinandertreffen, liegt eine gefährliche Spannung in der Luft. Meistens sind es sportliche Wettbewerbe, die sie deswegen auch halb im Spaß, halb ernst „Feindschaftsspiele“ nennen. Es sei denn, Jurassisburg ist auch beteiligt. Dann halten „wir hier unten“, wie sich die beiden Verliererstädte dann in plötzlicher Eintracht nennen, zusammen wie Pech und Schwefel gegen „die da oben“. ­

Und nun zurück zu unserer Geschichte. Roberta antwortet: „Ja, Schätzelein, es musste Dinhausen sein. Das Haus ist einfach ein Traum. Im Garten haben wir sogar einen Swimmingpool! Das müsste dir doch eigentlich gefallen, oder?“ Eigentlich schon, denkt Ricky. Also Plantschen findet er ja ganz in Ordnung, aber Schwimmen ist so gar nicht seine Sache. Als er mal mit seinen Eltern im Schwimmbad von Jurassisburg war, hat er deswegen auch die ganze Zeit mit den Kleinkindern im Nichtschwimmerbecken gesessen. Das war natürlich nicht so toll.

Roberta sagt: „Na ja, auf jeden Fall ziehe ich in der nächsten Woche hier bei euch aus.“ In dem Moment kommt Vater Rotzkopf um die Ecke. Eigentlich ist sein Gesicht ja immer abweisend, wenn er die Tante sieht. Aber als er den letzten Satz hört, setzt er ein breites Grinsen auf. „Wie bitte? Du haust ab? Machst die Fliege? Verdünnisierst dich?“ Rotzkopf strahlt.

Rabiata sagt: „Ja, aber …“ Roberta unterbricht sie. „Stopp, stopp, stopp, Schwesterherz, darf ich es ihm sagen? Bitte!“ Rabiata nickt ihr schelmisch zu. Roberta baut sich vor ihm auf und schaut ihm aufmerksam ins Gesicht. Von der Szene, die jetzt kommt, will sie auf keinen Fall etwas verpassen. Sie sagt: „Ja, mein lieber Schwager! Ich ziehe in der nächsten Woche aus. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte: Wir sind ab jetzt Nachbarn! Hyazinthus und ich ziehen nämlich hier hin! Das bedeutet: Wir werden uns von nun an wesentlich öfter sehen!“

Rotzkopf reißt entsetzt die Augen auf. Er stammelt: „Du meinst … ich meine … PÜPPI?“ Hilflos schaut er seine Frau an. Rabiata zieht aber nur eine Augenbraue hoch und zuckt mit den Schultern. Rotzkopf gibt nicht auf: „Ich meine … kann man da nicht … da muss man doch …“ Panisch schlägt er eine Hand vor den Mund. „Auch noch mit deinem Primelchen?“ Er jammert: „Oi oi oi … kann man denn da gar nichts machen? Da muss man doch was machen können! PÜPPI! Mach was!“ Rabiata zuckt noch einmal mit den Schultern. Blass wie ein Geist torkelt er aus der Küche. Auf dem Weg ins Wohnzimmer hört man ihn immer wieder jammern: „Echsendreck und Krötenschleim! Das kann doch nicht wahr sein …“

Roberta strahlt ihre Schwester an. „Ganz ehrlich? Ich habe mir das ja echt witzig vorgestellt, wenn ich es ihm sage. Aber dass das sooo ein Brüller wird, habe ich nicht gedacht. Das war einfach nur echstastisch!“

Nur einen Steinwurf weiter entfernt ist bei der Familie Fino das Frühstück bereits beendet. Auf dem Weg in ihr Zimmer versperrt Feodora Dino mit entschlossen verschränkten Ärmchen den Weg. Dino zieht verdutzt die Stirn kraus. Er fragt sie: „Was soll das denn werden, wenn‘s fertig ist?“

Feodora flüstert ihm zu: „Schnecki braucht ihre Beeren!“ Dino zuckt nur mit den Schultern. „Die sind nämlich alle!“ Dino zuckt noch mal mit den Schultern. Feodora gibt nicht auf: „Ich weiß genau, wo ihr die herhabt!“ Dino zieht erstaunt eine Augenbraue hoch. „Ach was! Tatsächlich? Na, dann schieß mal los!“ Feodora sagt: „Na ja, so ganz genau weiß ich das nicht. Aber … dass ihr da oben in dem Haus komische Sachen macht, das hab ich schon mitbekommen!“ Dino blickt sich verschwörerisch um. Er nimmt seine Schwester bei der Hand und zieht sie in sein Zimmer. Dann schließt er die Tür.

Feodora sagt: „Schau mal, großer Bruder … Ich glaube, ich hab doch wohl bewiesen, dass du dich auf mich verlassen kannst, oder?“ Dino schaut die Kleine skeptisch an. „Bis jetzt habe ich mich auf jeden Fall nicht verplappert, wenn Mama oder Papa dabei sind!“ Dino sagt nichts. „Ich meine … das könnte schon mal passieren, dass ich mich verplappere. Wenn ich mir zum Beispiel so viele Sorgen um meine Schnecki machen muss! Das lenkt schon echt ab!“ Und dann knipst sie ihm ein Äuglein zu. „Verstehst du?“ Dino schaut seine Schwester wütend an. „Sag mal … willst du mich etwa erpressen?“ Feodora reißt ihre großen Kulleraugen weit auf. „Wie bitte? Neiiin! Ich bitte dich bloß um einen Gefallen!“

Dann muss Dino doch lachen. Er schüttelt den Kopf und schiebt seine Schwester ganz sanft aus seinem Zimmer. Und dann fängt er an zu überlegen. Warum eigentlich nicht? Warum sollten er und Ricky nicht noch einmal durch die Zeit zurück zu den Maya reisen?

Dino setzt sich auf sein Bett und grübelt. Wie üblich kratzt er sich dabei am Kinn. Was wäre dann eigentlich? Würden sie exakt an derselben Stelle ankommen? Und zu welchem Zeitpunkt? Also … jetzt mal langsam, denkt Dino. Sie waren dort gewesen und haben Beeren und die Kröte mitgebracht. Was würde denn geschehen, wenn sie die Zeitmaschine noch einmal benutzen würden?

Genug gerätselt, denkt Dino. Das muss er unbedingt rauskriegen. Also das ist jetzt einfach mal beschlossen: Er wird mit Ricky erneut eine Spritztour zu den Maya machen!

Alte FreundePeter Kruck
00:00 / 15:38

Kapitel 2: Alte Freunde

„Noch mal zu den Maya?“ Ricky wirkt nicht gerade begeistert, als er sich mit Dino auf den Weg zum sechsunddreißigzimmrigen Onkelhaus macht. Irgendwie scheint ihn der Albtraum, den er kürzlich hatte, noch zu beschäftigen. Er hat ja geträumt, dass er von Riesenameisen entführt wurde. Und die Ameisenkönigin wartete schon auf ihn oben auf der Pyramide mit einem blutigen Messer. Aber Dino weiß natürlich genau, wie er den kleinen Chaoten auf seine Seite bekommt.

„Na komm, Furzbert … überleg doch mal! Wir können uns da noch mal alles anschauen! Findest du das nicht auch spannend? Herauszukriegen, ob wir da wieder an derselben Stelle und zur selben Zeit ankommen? Oder ob vielleicht alles ganz anders ist?“ Jetzt kratzt sich Ricky am Kinn; seine Gedanken gehen in eine ganz andere Richtung. Ihm gehen diese verrückten Beeren nicht aus dem Kopf. Natürlich waren diese Witzbeeren ganz amüsant. Aber ihn interessieren die beiden anderen Sorten viel mehr. Die Schrumpfbeeren lassen ihn überhaupt nicht mehr los. Oft hat er in der vergangenen Zeit schon darüber nachgedacht, was man für einen herrlichen Blödsinn damit anstellen kann.

Er hat nämlich einen Plan entwickelt. In ein paar Tagen geht ja die Schule wieder los, und es gibt eigentlich kaum ein Schulfach, in dem Ricky keine Probleme hat. Und jetzt denkt er sich also, dass es doch vielleicht eine prima Idee wäre, ein paar Tage vor der nächsten Mathearbeit einmal auf Insektengröße geschrumpft bei Frau Brontmann vorbeizuschauen, um einen Blick auf die Aufgaben zu werfen. Und obendrein könnte er ja, so ungefähr hat er sich das ausgedacht, kurz vor der Arbeit ein paar Schlauheitsbeeren essen. Dann wären seine Probleme in der Schule für immer gelöst. Er beschließt, sich einfach einmal darauf einzulassen: „Machen wir, Wackelkopf! Ich bin dabei!“ Dino lächelt ihn an. „Astrein! Das wird ein Spaß!“

Als sie auf das sechsunddreißigzimmrige Onkelhaus zugehen, fällt ihnen schon von Weitem auf, dass sich offensichtlich etwas geändert hat. Irgendwie wirkt alles freundlicher. Im Vorgarten sind frische Blumen gepflanzt, und einige Fenster sind geöffnet, um die alte, muffige Bude mal so richtig durchzulüften. Alles erscheint sonniger, netter, einladender. Sogar die Vögel wirken mit ihrem Gezwitscher ein wenig fröhlicher als sonst.

Als die beiden durch die geöffnete Haustür gehen, hören sie aus der Küche fröhliches Gelächter. Natürlich schauen sie dort sofort nach, und was sie sehen, erfreut sie. Am Küchentisch sitzt Frehdrich, vor ihm eine dampfende Tasse Kaffee. Und auf dem Tisch steht ein weiteres kleines Tischchen und ein kleiner Sessel. In dem sitzt der Bücherwurm. In der Hand hält er ebenfalls eine Tasse Kaffee, die aber natürlich wesentlich kleiner als die des Hausdieners ist. Die beiden unterhalten sich sehr angeregt; offensichtlich haben sie sehr viel Spaß. So viel Spaß, dass sie gar nicht mitbekommen, dass unsere Jungs in der Tür stehen und ihnen zuhören.

Der Bücherwurm ist voll in Fahrt: „Das war vielleicht eine Geschichte … als Rupi das Baby-Mammut mitgebracht hat! Ich meine … das hätte er doch wissen müssen, dass dieses zottelige Vieh riesengroß wird und irgendwann nicht mehr zu bändigen ist. Er hatte echt keine Ahnung, was er da angeschleppt hat!“ Die beiden lachen sich kaputt. Frehdrich ergänzt: „Aber als dann obben in die erste Etage der Stoßzahn von die Mammut dursch die Fenster gestoßen ist, hat er es auch kapiert!“ Beide lachen sich kaputt.

 

Frehdrich hustet und prustet vor Lachen, und dann fällt ihm noch eine weitere Story ein. „Oder weißt du noch die Geschischte mit die ‘andgranate? Wie Mylord Trexter mit die Ding aus die Menschenweltkrieg rumspielte und plötzlisch die Ring in die ‘and hatte? Und du dann von die Terrasse aus ihm die Ding aus die ‘and gerissen ‘ast?“ Der Bücherwurm haut vor Lachen mit seinen kleinen Fäustchen auf die Lehne des Sesselchens. „Ja klar! Und dann flog das Ding in dein Lavendelbeet! Und seitdem haben wir zwar keinen frischen Lavendel mehr, aber dafür diesen wunderschönen Gartenteich, wo jetzt diese fiese Kröte wohnt! Ich habe ein paar Sekunden echt geglaubt, Rupi fliegt in die Luft!“ Beide brüllen vor Lachen.

In dem Moment dreht Frehdrich den Kopf, als er mitbekommt, wie unsere beiden Freunde die Küche betreten. Dann blickt sich auch der Bücherwurm um und schaut die beiden an. „Dino! Ricky! Kommt her, setzt euch zu uns!“ Die strahlen sich erfreut an. Dino sagt: „Na, das ist vielleicht eine Überraschung! Habt ihr beide euch endlich wieder vertragen?“

Frehdrich sagt: „Oui oui, Messieurs! Das war eigentlisch schon laaange überfällisch …“ Der Bücherwurm fügt hinzu: „Ja, ihr zwei Strategen … Ich glaube, wir schulden euch ein dickes, fettes Dankeschön. Ich meine, nicht nur, dass ihr mir das Leben gerettet habt … Obendrein habe ich endlich auch meinen alten Kumpel hier wieder zurück!“ Die beiden Hausbewohner strahlen sich glücklich an. „Los jetzt! Setzt euch zu uns.“

Der Bücherwurm streckt seine Hand aus und macht eine Bewegung, die aussieht, als wenn er etwas in der Luft greift. Dann zieht er seinen Arm sanft zurück. Und ein paar Meter weiter öffnet sich eine Schranktür. Dann dreht er seine Hand, greift wieder zu und zieht sie ruckartig zurück. Aus dem Schrank fliegt ein Glas heraus, das Frehdrich mit einem fantastischen Reflex auffängt. Offensichtlich sind die zwei ein eingespieltes Team. Er stellt das Glas vor Ricky ab. Die beiden Freunde wiederholen das Schauspiel noch einmal, und auch Dino bekommt eins. Dann öffnet der Bücherwurm auf dieselbe Art und Weise die Kühlschranktür, und SCHWUPPS fliegt eine Flasche Limonade auf sie zu, die Frehdrich erneut elegant schnappt. Mit einem breiten Lächeln öffnet er sie und füllt die Gläser der beiden Freunde. Der alte Hausdiener sagt „Et voila!“ Das sagen die Franzosen, wenn sie eigentlich besser „Tadaaa!“ sagen sollten.

Ricky strahlt die beiden begeistert an: „Ist ja irre! Mit der Nummer solltet ihr beide auf Tournee gehen!“ Der Bücherwurm schmunzelt. „Nein, nein, mein kleiner Stinker … ich glaube, wir sind hier am besten aufgehoben. Schließlich müssen wir ja ein Auge auf euch Chaoten haben, nicht wahr?“

Plötzlich werden die beiden Hausbewohner ernst. Frehdrich übernimmt das Gespräch. „Das ist rischtisch. Wir müssen nämlisch mit Sie beide etwas bespreschen, mes petite amis.“ Dino und Ricky schauen sich verdutzt an. „Es geht um Ihre Onkel, Mylord.“ Der Bücherwurm fragt den kleinen T‑Rex: „Sag mal, was weißt du eigentlich von ihm?“ Ricky zuckt nur mit den Schultern. „Außer, dass ihm dieses Haus hier gehört hat? Eigentlich nix!“

Frehdrich fragt: „‘aben Sie sisch nie gefragt, wie sisch eine Wissenschaftler so eine riesige ‘aus leisten kann?“ Ricky zuckt wieder mit den Schultern. „Keinen blassen Schimmer, was man als Wissenschaftler so verdient!“ Die beiden älteren Herren lachen. Der Bücherwurm sagt: „Auf jeden Fall nicht genug, um sich sowas hier kaufen zu können!“ Dino fragt: „Und was soll das jetzt bedeuten?“

Frehdrich erklärt: „Mylord Trexter war in seine Beruf sehr, sehr ehrgeizisch. Er wollte unbedingt die Größte werden in seine Spezialgebiet!“ Der Bücherwurm ergänzt: „Und das ist ihm ja nun auch gelungen! Tja, aber Rupi hat da leider öfter mal Entscheidungen getroffen, die … wie soll ich es sagen …“ Frehdrich springt ein: „Er ‘ätte sisch vielleischt besser an die ein oder andere Stelle anders entschieden.“ Der Bücherwurm sagt: „Ich sags einfach frei heraus: Rupi hat mit den falschen Leuten zusammengearbeitet. Mit Leuten, die sich nicht immer an die bestehenden Gesetze halten.“ Frehdrich braust auf: „Sag es ruhisch! Jetzt sprisch es endlisch mal aus! Mit Verbrescher ‘at er zusammengearbeitet!“

Genervt schaut der Bücherwurm den alten Hausdiener an. Dann nickt er traurig. „Du hast ja recht, Frehdrich. Lass uns nicht wieder darüber streiten. Ich hab’s ja eingesehen.“ Und dann richtet er sich wieder an die beiden Freunde. „Die ganzen Sachen hier … also nicht alles davon hat euer Onkel wirklich ausgegraben!“ Frehdrich fährt wütend hoch: „Gestollen hat er das Meiste! Geklaut! Geraubt! Gemopst!“ Der Bücherwurm besänftigt den älteren Herrn. „Das ist nicht wirklich klar, Frehdrich. Sicher nicht alles. Aber eins ist wahr: Dein Onkel, Ricky, hat die Zeitmaschine benutzt, um seine Sammlung aufzufüllen. Er wird wohl auch mal in die Zeit der Menschen zurückgereist sein, um sich den einen oder anderen Gegenstand … zu besorgen.“

Verächtlich schnaubt der alte Hausdiener. „Er ‘at mit die Räuber zusammene Sache gemacht!“ Der Bücherwurm verbessert ihn: „Gemeinsame.“ Frehdrich versteht nicht. „Pardon?“ Der Bücherwurm erklärt: „Es heißt ‚gemeinsame Sache machen‘. Nicht ‚zusammene‘.“ Frehdrich winkt genervt ab und fährt fort. „Sie ‘aben doch bestimmt von die Räuber ge’ört, die wo ‘ier vor einige Zeit ver’aftet wurden. Oder?“ Dino und Ricky glotzen sich entgeistert an. Dem kleinen T‑Rex rutscht vor lauter Schreck ein kleines, knackiges Fürzchen heraus. Der Bücherwurm streckt ein kleines Ärmchen aus und dreht seine Hand. Ein paar Meter weiter öffnet sich ein Fenster.

Dino findet schnell seine Fassung wieder. „Ja, das haben wir mitbekommen. Mein Vater arbeitet ja schließlich bei der Zeitung!“ Frehdrich fährt fort. „Die drei, die da festgenommen wurden, waren aber nur ‘andlanger. Da’inter steckt eine sehr, sehr kluge Kopf, eine sehr, sehr böse Typ. Den nennen alle nur die Oberboss.“ Ricky erinnert sich: Als er von den Räubern gefangen gehalten wurde, haben sie ihm mit ihrem Oberboss gedroht!

Und ihr, liebe Kinder, könnt euch doch auch sicher noch an den Beginn des zweiten Buchs erinnern? Da hat doch der Oberboss die drei Räuber ordentlich unter Druck gesetzt und mit seinem stinkenden Zigarillo die ganze Bude zugemieft.

Jetzt übernimmt wieder der Bücherwurm. „Dieser Typ ist eine ganz große Nummer. Brandgefährlich.“ Ricky reißt begeistert seine Augen auf: „COOOL!“ Offensichtlich hat er schon wieder vergessen, dass ihm dieser Typ vor einiger Zeit um ein Haar die Schuppen gestutzt hätte. Der Bücherwurm setzt die Geschichte fort: „Und jetzt kommt das Beste: Der Oberboss hat die Zeitmaschine benutzt, um sich in Sicherheit zu bringen, davon könnt ihr ausgehen. Natürlich hat die Polizei nach der Verhaftung der drei Räuber nach ihm gesucht. Aber von ihm war keine Spur zu finden, nicht das kleinste Häufchen Zigarillo-Asche. Kein Wunder, denn er ist mithilfe der Zeitmaschine abgetaucht. Da sind wir uns sicher. Wie und wohin … keinen blassen Schimmer. Aber Frehdrich glaubt, dass er vor Kurzem wieder hier war. Keine Ahnung, warum, aber … es würde mich schon schwer wundern, wenn dieser schräge Vogel nicht irgendetwas Fieses vorhat.“

Dino guckt nachdenklich aus der Wäsche. Frehdrich übernimmt wieder. „Aber keine Sorge, mes petite amis, der taucht ‘ier niescht einfach so auf. Wenn er kommt, dann immer genau um null Uhr bei Vollmond. Isch weiß niescht genau warum, das muss irgendetwas mit … ähhh … also mit … ach was weiß isch, womit das zusammen’ängt. Aber isch ‘abe das genau beobachtet. Deswegen schließen die Büscherwurm und isch uns auch immer ein, wenn Vollmond ist.“

Dino kratzt sich nachdenklich am Kinn: „Aber wenn ihr das alles wisst, warum sprecht ihr nicht mit der Polizei darüber?“ Der Bücherwurm antwortet: „Rupi hat uns klare Anweisungen gegeben: ‚Mischt euch auf keinen Fall ein, wenn ich verschwinden sollte. Denn wenn ihr das tut, werdet ihr mich auf keinen Fall wiedersehen!‘“ Frehderich nickt: „Genau das ‘at er gesagt.“ Dino reißt erstaunt die Augen auf: „Und daran haltet ihr euch auch noch nach dreißig Jahren?“ Die beiden Freunde nicken. Der Bücherwurm sagt: „Auch, wenn Rupi vielleicht nicht immer gewusst hat, was er tut … er hat aber immer genau gewusst, was er sagt!“

Frehderich sagt: „Es ist wirkliesch unglaublich schwer, nieschts zu tun, wenn wir mitbekommen, dass er ‘ier ist. Aber ganz ehrlisch? Natürlisch ‘aben wir auch Angst davor, dass uns dieselbe Schicksal ereilt wie Monsieur Trexter.“ Der Bücherwurm nickt: „Rupi hat nämlich damals gesagt, dass der Oberboss zu allem fähig ist. Deswegen verstecken wir uns auch jeden Vollmond in unseren Zimmern. Wir ziehen die Bettdecke über den Kopf und machen schon ganz früh das Licht aus!“ Dino und Ricky schauen sich fragend an. „Übermorgen“, sagt Frehdrich. „Ihr fragt eusch doch gerade, wann die nächste Mal Vollmond ist, oder? Die Antwort lautet: übermorgen. Aber isch sagge eusch eins: Ihr bleibt in eure Betten und lasst eusch ‘ier auf keine Fall blicken, compris?“ Der Bücherwurm schaut auf Ricky, der fragend die Stirn krauszieht. Er sagt: „Ey, Stinki, du überlegst doch wohl nicht gerade, ob wir das ernst meinen mit der Warnung, oder?“ Ricky sagt: „Nee, ich frag mich eigentlich gerade, ob ich da vorhin einen Teller mit Frikadellen im Kühlschrank gesehen habe. Ich hab nämlich Kohldampf!“

Lächelnd steht Frehdrich auf und geht rüber zum Kühlschrank. Aus dem nimmt er den Teller mit Frikadellen und stellt ihn vor Ricky hin. Dann holt er aus dem untersten Fach im Kühlschrank für Dino ein paar frische Äpfel. „‘ier, ihr zwei, eine kleine Stärkung! Isch wette, ihr ‘abt ‘eute noch etwas vor, oder? Wo’in soll denn die Reise gehen?“ Ricky schiebt mit einem saftigen Rülpser den leeren Teller in Richtung Frehdrich. „War das alles? Oder haste noch ‘n paar Klopse für mich?“ Der Bücherwurm sagt lachend: „Heiliger Dinoseos! Ein Staubsauger hätte ja länger gebraucht, um die Frikadellen einzusaugen!“

Dann beantwortet Dino die Frage: „Zu den Maya. Wir reisen noch einmal zu den Maya. Die Beeren für Schnecki sind alle. Und jetzt braucht mein kleines Schwesterchen Nachschub.“ Der Bücherwurm sagt: „Na, dann wünsch ich euch viel Spaß! Ich muss mich jetzt ein bisschen hinlegen, bin immer noch nicht hundertprozentig fit.“ Dann nimmt er eine kleine Fernbedienung zur Hand, die offensichtlich neben ihm auf dem Sessel gelegen hat. Erst zieht er eine lange Antenne heraus, und dann drückt er mit flinken Fingern auf ein paar Knöpfe. Und mit einem sirrenden Geräusch kommt eine Drohne hereingeflogen. An der baumelt unten eine Tasche. Geschickt steuert der Bücherwurm die Drohne so, dass er in die Tasche krabbeln kann. Dann nickt er den

dreien mit einem freundlichen Lächeln zum Abschied zu, tippt sich zum Gruß an die Stirn und fliegt unter der Drohne baumelnd durch die geöffnete Tür davon.

Frehdrich räumt den Tisch ab. Mit dem Kopf deutet er auf ein kleines Rennauto auf dem Fußboden, neben dem ebenfalls eine Fernbedienung liegt. „Sie müssten ihn mal sehen, wenn er mit die Ding dursch die Zimmer rast! Das ist wirklisch spektakulär!“

Ricky und Dino lachen. Beide denken: Das ist schon eine durchgeknallte Type, dieser Bücherwurm!

So, jetzt haben wir dich doch sicher überzeugt, oder?
Hier kannst du zuschlagen!

Na? Wie siehts aus? Neugierig geworden?