1   Blutwurst in der Schultüte

 

„RIIIIICKBERT!!! Du kommst jetzt SOFORT aus deinem Zimmer, aber ZACK ZACK!!!“

 

Oh Mann, denkt Ricky, die hat aber auch eine Stimme … die klingt so, wie wenn man mit Kreide über eine Tafel kratzt. Oder wie ein Zug, wenn der im Bahnhof bremst. In Gedanken zählt er bis drei, weil er genau weiß, was jetzt kommt: eins, zwei, dr ….. und richtig: Sie ruft nach Rickys Vater.

 

„ROTZKOPF! Jetzt leg endlich mal die Fernbedienung weg und kümmer dich um deinen Sohn!“

 

Wir befinden uns im Kinderzimmer von Rickbert Rexkowski, genannt Ricky. Ricky wohnt, wie alle anderen Dino-Kinder unserer Geschichte, in Echsheim. Heute ist der Tag der Einschulung. Und Ricky ist schon ganz aufgeregt. Natürlich reagiert Ricky nicht auf seine Mutter; er reagiert niemals direkt beim ersten Mal, denkt er sich und grinst breit und stolz bei dem Gedanken.

 

Und weil seine Mutter Rabiata Rexkowski das genau weiß, reißt sie prompt die Tür auf und baut sich drohend vor ihm auf. Ricky erschreckt sich fast zu Tode, weil er gerade in der Nase popelt, und lässt – PRÖÖÖT – vor Schreck direkt einen fahren. Ricky muss nämlich immer fürchterlich furzen, wenn er sich erschreckt oder aufregt. Seine Mutter geht, ohne etwas zu sagen, an ihm vorbei und öffnet kommentarlos das Fenster. Das ist ihm wohl nicht zum ersten Mal passiert.

 

Nur ein paar Straßen weiter sieht es ganz anders aus. Hier wohnt Dino Fino, der eigentliche Held unserer Geschichte. Dino hat gerade ganz ordentlich seine Tasche gepackt und geht zügig die Treppe herunter. Unten warten schon seine Eltern, Dr. Federigo Fino, ein aus Italien stammender Brontosaurus, und seine Frau Friedegunde. Die Eltern strahlen voller Stolz darüber, dass ihr kleiner Dino heute endlich auf das Echsnasium kommt. Sie streicheln ihm liebevoll über den Kopf, nehmen ihn an die Hand und verlassen gemeinsam in aller Ruhe ihr Haus. Ihr merkt schon, liebe Kinder: Dino ist der Vernünftige in unserer Geschichte, der Ordentliche, der Anständige.

 

Ricky und Dino sind gerade erst mit ihren Familien hier in diese Siedlung eingezogen. Alles ist neu – die Häuser, die Straßen, die Laternen, der Bolzplatz … und sogar das Echsnasium. Die Finos gehen den Ananasweg entlang, in dem sie wohnen, in Richtung Hauptstraße. Vater Fino trägt ein großes und offensichtlich schweres Paket, und Dino weiß natürlich, was darin ist: seine Schultüte. Dino kann es gar nicht abwarten, was sich da alles drin verbirgt … er ist total aufgeregt.

 

Und wie sie so auf die Kreuzung zur Hauptstraße kommen, können sie in die gegenüberliegende Karnickelstraße schauen. Die drei Finos können nicht glauben, was sie da sehen. Ihnen kommen auch drei Dinos entgegen, wohl auch Vater, Mutter und Kind, aber … mein Gott, denkt Mutter Friedegunde … was zum Teufel sind das denn für Gestalten … sind das drei Tyrannosaurus Rex? Wie automatisch legt sie ihrem gar nicht mehr so kleinen Dino beschützend den Arm um seine Schulter.

 

Von Weitem sehen sie einen unglaublich angeberisch herausgeputzten Vater auf sich zukommen, mit protziger Sonnenbrille auf der Nase und dicken Goldketten um den Hals. Wir wissen ja schon, dass er Rotzkopf Rexkowski heißt. Der hat einen ganz schön dicken Bauch und hat die Arme abgespreizt wie ein Gewichtheber. Er tut so großspurig, als würde ihm die ganze Stadt gehören. In der Mitte randaliert ein kleiner, frecher Ricky vor sich hin, der versucht, genau so großkotzig zu laufen wie sein Vater. Auf der anderen Seite neben ihm sieht man Rickys aufgedonnerte Mutter Rabiata Rexkowski. Eine schrille Person, oh Himmel, denkt Dinos Mutter, hat die im Ernst eine blonde Perücke auf? Und die ist so grell geschminkt, als sei sie mit dem Kopf in einen Farbkasten gedrückt worden! Au weia, denken Dinos Eltern, was sind das denn bloß für Typen!

 

Beide Familien biegen in die Hauptstraße ein und laufen in Richtung Echsnasium. Die Finos tun so, als würden sie die Rexkowskis gar nicht sehen. Aber Ricky, offenbar ein unglaubliches Großmaul, lässt das nicht auf sich sitzen und brüllt quer über die Straße: „Ey, ihr da, ihr komischen Langhälse!!!“

 

Die Finos blicken peinlich berührt geradeaus und tun immer noch so, als hätten sie nichts bemerkt.

 

Ricky setzt nach: „EYYY!!! Ihr da! Ihr Wackelköpfe! Geht ihr auch zur Schule?“

 

Die Finos schauen kurz hin, lächeln ein bisschen verkrampft, nicken und schauen wieder geradeaus.

 

„Dann passt mal auf, ihr komischen Brontos, ich bin Rickbert Rexkowski! Ich bin ein T-Rex! Rex, das ist Talein, das bedeutet König! ICH BIN DER KÖNIG DER SAURIER!“ Sein Vater Rotzkopf grinst ihn stolz an und klopft ihm auf die Schulter.

 

Oh Gott, denkt Dino, ist der dämlich, Latein heißt die Sprache, nicht Talein! Saublöd und unendlich große Klappe … na, das kann ja heiter werden.

 

Ach, übrigens: Rickbert hat recht, er ist ein Tyrannosaurus Rex. Und die haben ja bekanntlich riesengroße Zähne. Aber das dauert, bis die gewachsen sind. Deswegen hat Rickbert auch erst ganz kleine Stummelzähnchen im Mund, und deswegen lispelt er und spuckt und sabbert, dass es eine wahre Pracht ist.

 

„Halt dich bloß von dem Lümmel fern“, flüstert ihm seine Mutter zu. Aber jetzt mal ehrlich, das wäre doch eine ganz schön langweilige Geschichte, wenn Dino das wirklich machen würde, oder? Aber keine Sorge, liebe Kinder, dazu kommt es nicht.

 

Nun gut, es dauert nicht mehr lang, da kommen sie an der Schule an. Und vor dem Haupteingang ist ordentlich was los! Lauter Kinder, die von ihren Eltern ihre Schultüten überreicht bekommen, und endlich ist es auch für Dino so weit. Und tatsächlich, er wird nicht enttäuscht: Darin sind lauter Leckereien für einen Bronto: Viel frisches Obst – Äpfel, Birnen, Pfirsiche, Pflaumen –, dann eine Tüte Dino-Bonbons, also kleine Heu- und Strohballen, in die Kirschen, Erdbeeren und Weintrauben eingeflochten sind, eine große Tüte frische Rosenblätter und dann eine ganz besondere Spezialität: ein dickes Bündel frisch aufgeblühter Weidenkätzchen.

 

„Hmmm, lecker!!!“, strahlt Dino, und leckt sich über die Lippen.

 

Plötzlich hört er direkt neben sich eine dreckige Lache, dreht sich um und sieht Ricky, der sich nicht mehr einkriegt.

 

„Was hast du denn da für einen Mist in deiner Schultüte? Das ist ja wohl Kaninchenfutter!“ Ricky fließen vor Lachen die Tränen aus den Augen. „So etwas esst ihr? Ihr fresst also meinem Essen das Futter weg?“ Da kommen Rickys Eltern dazu und lachen auch.

 

Vater Rotzkopf Rexkowski gibt seinem Sohn dessen Schultüte, die er für ihn gehalten hat.

 

 „Hier, guck mal, das sind ECHTE Spezialitäten!“ Und um das zu unterstreichen, küsst er seine zusammengelegten Fingerspitzen wie ein Feinschmecker in einem italienischen Restaurant. Aus Rickys Schultüte hängt der Kopf eines toten Hahns heraus, dann ein Kringel roher, noch tropfender Blutwurst und eine Kette mit getrockneten Schweinenasen. Dann kramt Ricky einen Spieß heraus, auf den ein halbes Dutzend toter Tiere aufgespießt ist.

 „Hier, probier das mal. Das sind frittierte Ratten!“ Und Ricky verzieht verzückt das Gesicht. „Das ist vielleicht ein Genuss, sag ich dir!“

 

Rickys Mutter mischt sich ein: „Ja, frittierte Ratten! Die isst mein kleiner Ricky für sein Leben gern.“ Und sie entblößt mit einem breiten Grinsen ihr unfassbares T-Rex-Gebiss.

 

Den Finos wird allmählich richtig übel, aber die Rexkowskis geben nicht auf und suchen ganz unten in der Schultüte nach der rohen Leber.

 

„Nein, danke“, sagt Vater Fino, „wir sind Vegetarier!“

 

„HAAHHH!“, lacht Ricky, „Vegetarier … ihr seid doch bloß zu blöd zum Jagen!“

 

Dino wird es jetzt allmählich zu viel. Er baut sich auf, seine Augen ziehen sich bedrohlich zusammen, und sein Schwanz rudert ziemlich kampflustig in der Luft herum. Ricky versucht, dagegenzuhalten, ist aber natürlich nicht mal halb so groß. Deswegen plustert er sich auf wie ein balzender Auerhahn, pumpt sich die Brust voll Luft … und – PRÖÖÖT – wie das eben so ist, wenn der Druck steigt: Er lässt volles Rohr einen fahren. Dabei lacht er ihm rotzfrech ins Gesicht, als wolle er sagen: Na los, komm doch, trau dich, du alte Salatschnecke! Und übrigens: Ich furze, wenn es mir passt!

 

Aber Vater Fino greift ein, wedelt sich mit der Hand frische Luft zu, legt seinem Sohn beruhigend die andere Hand auf die Schulter und führt ihn sanft zur Seite.

 

Frau Brontmann, die Lehrerin, beobachtet das alles aus der Ferne. Oh Gott, denkt sie, das kann ja noch heiter werden! Die wissen noch nicht mal, wo ihr Klassenraum ist, und haben sich schon fast das erste Mal gekloppt. Auf die beiden Burschen muss ich aber richtig aufpassen .

 

Nun ja, liebe Kinder, ihr werdet sicher verstehen, dass sie sich das vornimmt, aber das wird garantiert keine leichte Aufgabe sein.

 

 

 

2   Hamstermann Wackelkopf

 

 

Auf dem Schulhof geht Frau Brontmann zu den Kindern rüber. Klick, klick, klick, die Eltern machen die letzten Fotos von ihren Kindern. Als sie die Lehrerin kommen sehen, verabschieden sie sich von ihren Kindern und nehmen ihnen die Schultüten ab.

 

Ein Mädchen fängt an zu weinen, als es sich von seinen Eltern verabschieden muss. Ricky sieht das, stößt Dino an und grinst breit. Er deutet mit dem Kopf in die Richtung des weinenden Mädchens und macht ihn so darauf aufmerksam.

 

Ricky verzieht sein Gesicht, als wenn er auch heulen müsste. Er reibt sich übertrieben die Augen und macht dabei „Uääähhh! Uääähhh-uääähhh-uääähhh!“ Dann setzt er wieder sein freches Grinsen auf.

 

Ricky zischt Dino zu: „Bor ey, was für eine Heulsuse! Die pinkelt sich bestimmt gleich noch in die Hose!“ Und dabei lacht er fies.

 

Dino schüttelt nur mit dem Kopf und denkt sich: Mein Gott, was für ein Blödmann!

 

Ricky flüstert ihm zu: „Die soll sich mal nicht so anstellen, diese kleine Memme! Als ich drei Jahre alt war, war ich vier Monate alleine im Urlaub! Da war ich in Afrika und bin alleine in einem Kanu den Azamonas raufgesegelt!“

 

Jetzt reichts Dino. „Jetzt lass doch die Kleine in Ruhe! Und außerdem: Der Fluss, den du meinst, heißt Amazonas. Und der liegt in Brasilien. Also in Süd-Amerika und nicht in Afrika. Und mit einem Kanu kann man nur paddeln, nicht segeln. Und mit drei Jahren hast du doch noch Windeln getragen, an Mamis Rockzipfel gehangen und mit deinen Bauklötzen gespielt. Du Quatschkopf!“

 

Ricky baut sich vor ihm auf und ballt vor Wut seine Fäuste. Das macht Dino aber gar nichts aus. Denn ein T-Rex hat nun mal nur ganz kleine Stummelärmchen. Und deswegen sind auch Rickys Fäuste so winzig, dass sich Dino damit gerade mal seine Brontosaurus-Ohren sauber machen könnte.

 

Ricky reißt seine große Klappe ganz weit auf, er ist jetzt richtig sauer: „Aha, der Herr Doktor Oberfffchlau! Woher willffft du dafff wifffen, du Klugfffcheifffer?? Hä? HÄH? HÄÄÄÄH?“ Und bei dem Wort „Klugscheißer“ sprüht so viel Sabber aus seinem Mund, dass Dino jetzt gern einen Regenschirm hätte. Und bei jedem „Häh“ reckt er Dino seine kleinen Fäustchen ein Stückchen weiter entgegen. Das findet Dino irgendwie niedlich, wie der kleine Blödmann sich so aufregt. Mehr aber auch nicht.

 

Dino antwortet ganz cool: „Ganz einfach. Weil ich mal ein Buch über den Amazonas gelesen habe. Und der liegt nun mal in Brasilien. Und Brasilien liegt nun mal in Süd-Amerika und nicht in Afrika, du Depp!“

 

Ricky bläst sich richtig auf: „Aha, der Herr Wackelkopf liest also schon Bücher! Aber von dem weltberühmten Azamonas in Afrika hast du noch nichts gelesen? Dagegen ist nämlich dein komischer Amazonas eine kleine Köttelbecke!“

 

„Nein. Von dem hab ich noch nichts gelesen. Weil es den nämlich gar nicht gibt. Du blöder Angeber hast dir den ganzen Quatsch doch nur ausgedacht!“ Ricky ist kurz davor, richtig auszurasten. Da lässt er plötzlich – PRÖÖÖT – vor Wut einen fahren, und zwar so laut, dass es alle Kinder mitkriegen. Die zeigen auch prompt mit ihren Fingern auf ihn und lachen ihn aus.

 

Dino grinst ihn von oben herab an, wedelt sich gekünstelt vor der Nase herum und verzieht angeekelt das Gesicht. Die anderen Kinder kriegen sich vor Lachen nicht mehr ein. Dem kleinen Mädchen laufen immer noch Tränen über das Gesicht, aber jetzt vor Lachen. Vor lauter Freude über diesen Wahnsinnsfurz hat sie nämlich gar nicht mitbekommen, dass ihre Eltern schon nach Hause gegangen sind.

 

Ricky dampft vor Wut, verschränkt wütend die kleinen Ärmchen vor der Brust und ist dunkelbraun im Gesicht.

 

Dino beugt sich zu ihm runter: „Und übrigens: Der längste Fluss in Afrika ist der Nil! Und das ist übrigens auch der längste Fluss der Welt!“

 

Ricky baut sich wieder auf. „Dafff weifff ich! Da war ich auch fffchon! Und fffwar auch ganfff allein im Urlaub, alfff ich vier war! Da habe ich nämlich wilde Nilpferde eingefangen. Und die hab ich dann ganfff alleine gefffattelt und fffugeritten! Und dann hab ich die an ein paar Cowboyfff verkauft!“

 

Oh Mann, denkt sich Dino, der quasselt aber auch einen Blödsinn … Gerade will er ihm erklären, was genau Nilpferde sind und dass kein Cowboy der Welt dafür auch nur einen Echso bezahlen würde, da kommt die Lehrerin Frau Brontmann und baut sich vor den Kindern auf.

 

„Schschschtttt! Hallo, liebe Kinder, RUHE BITTE!“ Dabei klatscht sie in die Hände. Sie versucht lauter zu sein als das aufgeregte Geschnatter und Gekicher der i-Männchen. Ein paar zeigen auf Ricky, der immer noch eine dunkelbraune Rübe hat.

 

„Ruhe bitte!!!“ Da ist Ricky plötzlich von einem Moment auf den anderen wieder ganz der Alte. WAAAS? Diese komische Tante da vorne will ihm sagen, was er tun soll? Hah, denkt er, nicht mit mir! Ich bin schließlich ein T-Rex, der König der Saurier! Das kann Ricky unmöglich auf sich sitzen lassen, und so macht er ständig aus den Mundwinkeln Tiergeräusche, um die Lehrerin zu ärgern. Er denkt natürlich, dass sie nicht mitkriegt, dass er das ist.

 

„MUUUUHHH!! Oink oink! Wuff wuff! Määähhhh!“ Und dabei grinst er frech und kneift Dino die ganze Zeit in seinen Schwanz. Der versucht, Ricky zu ignorieren und ihn abzuschütteln. Aber je genervter Dino reagiert, umso breiter wird sein freches Grinsen, umso mehr Spaß hat er, Dino zu ärgern. Plötzlich wird es Dino zu bunt, und er klatscht Ricky mit Schmackes eins mit der Schwanzspitze auf seine freche Nase.

 

Das sieht die Lehrerin, geht zu den beiden rüber und baut sich drohend vor ihnen auf.

 

Ricky tut so, als wenn das sehr weh getan hätte, und setzt ein schmerzverzerrtes Gesicht auf. „Der hat angefangen!“ und zeigt auf Dino. Der schaut sich Rickys klitzekleinen Finger an und denk sich: Mein Gott, ist der Finger klein, der ist ja kaum größer als ein Mauseköttel!

 

Frau Brontmann baut sich in voller Größe vor Ricky auf und starrt ihm streng ins Gesicht. Ricky denkt: Junge, Junge, ist die groß, die Lady, da verdunkelt sich ja der Himmel! Die kann ja tatsächlich aus der Dachrinne saufen, denkt er. Eigentlich muss er bei dem Gedanken lachen, traut sich aber nicht. Und er wirkt auch ein bisschen eingeschüchtert. Er hebt noch mal sein kleines Fingerchen, zeigt noch mal auf Dino und sagt noch mal „Er war’s!“ Aber dabei ist er so kleinlaut, dass man ihn kaum verstehen kann.

 

Als sich die Lehrerin von Ricky wegdreht, schenkt sie Dino ein freundliches Lächeln. Und wie sie weggeht, ganz nah an Dino vorbei, fällt ihm auf, wie unglaublich gut Frau Brontmann riecht. Mein Gott, denkt er, ist die DUFTIG!

 

Die Dino-Kinder gehen also zu ihrem Klassenraum. Auf dem Weg versucht Ricky, dem kleinen Mädchen, das vorhin geweint hat, ein Beinchen zu stellen. Sauriah, so heißt die Kleine, kriegt das aber mit und tritt ihm mit voller Wucht auf den Fuß. Ricky schreit laut auf, flucht und sabbert dabei. Er hält sich das eine Bein, jammert „Oi-joi-joi!!!“ und hüpft auf dem anderen herum. Als er dabei das Gleichgewicht verliert, fällt er voll auf die Nase. Und lässt dabei wieder – PRÖÖÖT – einen Riesenfurz fahren.

 

Und die anderen Kinder lachen sich wieder kaputt.

 

Oh Mann, Ricky, denkt Dino, wirklich nicht der beste Tag heute für dich!

 

Dino blinzelt Sauriah zu, und die lächelt ihn mit fröhlich funkelnden Äuglein an. Oha, denkt Dino, ganz schön niedlich, die Kleine!

 

Als die Kinder ihren neuen Klassenraum betreten, versucht Dino, Ricky loszuwerden. Der klebt ihm aber an der Pelle, folgt ihm auf Schritt und Tritt. Ricky humpelt noch ein bisschen, Sauriah hat offenbar richtig gut getroffen. Als die beiden sich in die letzte Bank setzen wollen, meldet sich die Lehrerin zu Wort. 

 

„Haaaaalt! Stopp, stopp, stopp, ihr zwei da hinten, kommt ihr mal bitte her!“

 

Ja sicher, denkt Frau Brontmann, das haben die zwei sich so gedacht … sich nach ganz hinten zu setzen. Nix da, da hinten machen die mir viel zu viel Blödsinn. Die zwei beiden kommen mal fein hier nach vorne in die erste Reihe.

 

„Jetzt hört mal zu, ihr beiden Chaoten!“, sagt die Lehrerin und droht dabei mit dem Zeigefinger. Sie schaut dabei aber nur Ricky an. Offenbar hat sie genau kapiert, wer von den beiden hier der Chaot ist. „Ihr setzt euch jetzt hier ganz nach vorne, damit ich euch gut unter Kontrolle hab!“

 

Ricky lacht ihr frech ins Gesicht, und Dino denkt sich: Au weia, jetzt muss ich tatsächlich auch noch neben diesem Blödmann sitzen!

 

Frau Brontmann begrüßt die Kinder: „Hallo, ihr Lieben, schön, dass ihr alle hier seid.“

 

Das kann Ricky schon mal nicht auf sich sitzen lassen. Er reißt schon wieder seine große Klappe auf: „Also was mich angeht: Ich musste hier hinkommen. Meine Eltern haben mich gezwungen! Ich wäre jetzt auch lieber auf dem Bolzplatz!“ Die anderen Kinder lachen; das gefällt Ricky. Er dreht sich zu ihnen um, verneigt sich und nickt ihnen lächelnd zu. So wie ein Schauspieler im Theater, wenn die Leute klatschen.

 

Frau Brontmann geht zu ihm rüber und baut sich wieder vor ihm auf. Sie blickt ihm streng ins Gesicht und sagt dabei kein Wort. Als Ricky eine Weile nervös auf dem Stuhl herumrutscht, dreht sie sich weg und spricht wieder zur Klasse.

 

„Ihr findet da vor euch kleine Pappschildchen. Bitte holt jetzt eure Stifte raus und schreibt eure Namen darauf!“

 

Die Kinder kramen in ihren Taschen. Ricky nimmt seinen Stift und schreibt auf sein Schild „RIEGBÄRD“ statt Rickbert. Dino schreibt auf sein Schild „Dino“ und schaut rüber zu Ricky. Oh Mann, denkt er, der ist ja sogar zu blöd, seinen eigenen Namen richtig zu schreiben.

 

Auch Ricky schielt rüber zu Dino. Als er sieht, was da steht, prustet er los.

 

„WIE heißt du? Dino?“

 

Dino nickt.

 

„Ha ha ha, was ist das denn für ein blöder Name! DINO! Ich lach mich tot! Wir sind doch alles Dinos!“

 

Dino erwidert: „Die Familie meines Vaters stammt aus Italien. Da ist Dino ein ganz normaler Vorname.“

 

Dino wird schon wieder sauer, sein Schwanz fuchtelt wild hinter seinem Rücken herum.

 

Ricky sagt: „In Italien? Mir doch egal, wie die an der Nordsee ihre Kinder nennen!“

 

Dino schüttelt genervt den Kopf. „Italien liegt nicht an der Nordsee, sondern am Mittelmeer!“

 

Ricky sagt: „Vollkommen schnuppe, Nordsee, Mittelsee, Südsee, das ist doch trotzdem alles irgendwie dasselbe.“

 

Oh mein Gott, denkt Dino, dem ist echt nichts zu blöd.

 

Ricky lacht sich wieder tot und haut sich auf die Schenkel. „DINO, ich krieg mich nicht mehr ein! Das ist ja ungefähr so, wie wenn man sich einen Hamster kauft und den Hamster Hamster nennt!“

 

Und Ricky fügt hinzu: „Übrigens … Hamster schmecken am besten, wenn sie innen noch zart rosa und außen goldgelb und knusprig angebraten sind. Hmmm!!!“ Und er leckt sich dabei über die Lippen. Dabei überlegt er ein paar Sekunden. „Deswegen heißen die nämlich auch Goldhamster.“

 

Oh Mann, denkt Dino, mit dieser Flitzpiepe kann das ja noch richtig lustig werden.

 

Ricky lacht ihn wieder rotzfrech an: „Ich glaub, ich weiß jetzt, wie ich dich nenne: Hamstermann Wackelkopf“! Ricky lacht Tränen. „Genau! Hamstermann Wackelkopf, das ist jetzt dein neuer Name.“

 

„Na gut“, sagt Dino, „dann bist du für mich ab jetzt Furzbert Sabberkowski!“

 

Tja, Ricky, Pech gehabt, auch diese Runde ging ganz klar an Dino!

 

 

3   Badetag

 

 

Frau Brontmann stellt sich ganz vorne hin, also direkt vor Dino und Ricky, die ja in der ersten Reihe sitzen müssen. Und sie sagt: „So, liebe Kinder. Heute ist ja euer erster Schultag. Und da ist das bei mir so üblich, dass wir einen Waldspaziergang machen. Also macht euch fertig, wir treffen uns draußen auf dem Schulhof vor der Tür!“ Und natürlich ist sofort Unruhe in der Klasse.

 

Dino holt tief Luft und zieht die Luft tief durch die Nase ein. Wahnsinn, denkt Dino, wie duftig diese Frau Brontmann ist! Ricky bekommt das aus den Augenwinkeln mit und raunt ihm zu: „Bäääh, was die Tante stinkt! Ist ja grässlich!“ Natürlich, denkt Dino, die duftet ja auch nach Blumen. Wahrscheinlich wäre es Ricky lieber, wenn sie ein Parfüm benutzt, das nach gebratenen Frikadellen riecht!

 

Frau Brontmann muss lauter werden; sie klatscht wieder in die Hände. „SOOO, wir sind jetzt alle ganz ruhig und flattern jetzt so leise wie die Schmetterlinge auf den Schulhof!“

 

Ricky grinst Dino frech an. „Was redet die denn für einen Quatsch … wir sollen leise wie die Schmetterlinge sein, und selbst macht sie ein Theater wie eine Henne, die gerade ein Ei gelegt hat!“

 

Dabei flattert er mit seinen kleinen Ärmchen, stolziert dabei herum und macht dabei Geräusche wie ein Huhn: „PÖÖÖK! Pök pök pök!“. Dabei haut er mit seinem Schwanz gegen einen Stuhl, der mit lautem Getöse umkippt. Er tut zwar so, als wenn das ein Versehen gewesen wäre. Dabei lacht er aber so frech, dass allen klar wird: Das war Absicht. Ricky wollte extra Lärm machen. Dino tut zwar so, als würde er das alles nicht mitbekommen. Aber er muss sich dann doch ein Lachen verkneifen. Er denkt: So nervig dieser kleine Blödmann ist, so lustig ist er aber auch irgendwie.

 

Die Dino-Kinder machen sich also fertig. Und dann geht es auch schon direkt los in den Wald.

 

Im Wald ist es sehr schön, es ist wirklich ein wunderbarer Tag. Die Sonne lacht, und am tiefblauen Himmel tummeln sich ein paar Schäfchenwolken. Das Sonnenlicht funkelt durch die Blätter, und die Vögel zwitschern ihre Liedchen. Und gar nicht weit neben dem Weg plätschert ein kleiner Bach. Pass auf, denkt Dino, da landet doch bestimmt gleich der Ricky drin! Der stellt sich ja immer so unglaublich dämlich an!

 

Durch die Luft flattert ein kleiner Schmetterling, der sich unsere beiden Dinos aus der Nähe anschaut.

 

„Schau mal“, sagt Dino zu Ricky, „ein Schmetterling!“

 

Ricky findet das jetzt nicht so interessant. „Pffhhh, ein Schmetterling … das ist doch nur flatterndes Ungeziefer … da ist doch nichts dran! Davon wird man doch nicht satt!“

 

Dino achtet nicht auf die blöde Antwort. Der Schmetterling setzt sich auf seine Hand. Dino schaut ihn sich genau an: „Na, wer bist du denn?“ Dino lächelt. „Mein Gott, bist du ein hübscher Kerl! So ganz allein hier im Wald? Ich habs, ich nenne dich Waldemar!“ Der Schmetterling flattert ganz aufgeregt um Dinos Nase, fast so, als hätte er das verstanden. Dann setzt er sich auf Dinos Schulter und kuschelt sich an seinen Kopf.

 

Dann flattert er auf Dinos Hand, und Dino führt ihn ganz nah an seine Augen. Komisch, denkt er. Irgendwie hat er den Eindruck, als würde der Schmetterling ihn anlächeln … 

 

Ganz vorne hört man Frau Brontmann erklären: „Schaut mal hier, liebe Kinderchen, seht ihr diesen unglaublich hohen Baum? Das ist eine …“

 

„Pöhhhh! Das soll ein hoher Baum sein? Dass ich nicht lache!“ raunt Ricky Dino zu und lenkt ihn so ab. Mist, denkt Dino, jetzt hab ich nicht mitgekriegt, wie der Baum heißt. Das wird die Lehrerin bestimmt nachher fragen. Oh Mann, denkt Dino, jetzt kommt bestimmt wieder so ein Lügenmärchen von Ricky.

 

Und der liefert auch prompt ab: „Letztes Wochenende, da war ich mit meinem Vater auch in einem Wald, aber in einem richtigen! Da war es so dunkel wie in einem Ziegenar…“

 

Dino unterbricht ihn: „Sag‘s nicht, Ricky!“

 

Und Ricky macht mit seiner Lügengeschichte weiter.

 

„Da gabs Regenwürmer, die waren so groß wie Anacondas! Und Mäuse, die waren so groß wie … wie ...“

 

Oh Mann, denkt Dino, jetzt fällt dem kleinen Angeber nicht mal ein passender Vergleich für seine Lügengeschichte ein! Er beschließt, ihm zu helfen.

 

Dino schlägt vor: „Mäuse so groß wie Kühe?“

 

„Blödsinn!“ Natürlich weiß Ricky es wieder besser. „Die waren sogar so groß wie Schafe!“

 

Oh Mann, Ricky, denkt Dino, Schafe sind doch nicht mal halb so groß wie Kühe! Aber er sagt nichts, er lässt den Kleinen einfach weitererzählen.

 

Ricky redet weiter: „Auf jeden Fall gabs da Bäume, die waren richtig hoch, sag ich dir. Nicht so kleine Stummelbäumchen wie die hier. Einer war so hoch, der ging sogar bis zum Mond!“

 

Dino verdreht nur die Augen. Der Mond war, das hatte er mal gelesen, so um die 380 000 Kilometer entfernt. Das ist ungefähr so viel wie fast zehn Mal um die ganze Erde! So hoch wird natürlich kein Baum der Welt.

 

Aber Ricky kann einfach nicht aufhören: „Mein Vater und ich, wir sind da hochgeklettert, aber wir konnten nicht weiter, weil das so weit oben so wahnsinnig kalt wurde.“

 

Die Lehrerin Frau Brontmann schaut schon ganz ärgerlich zu den beiden, die bei ihrer ganzen Quatscherei schon weit hinter den anderen sind. In dem Moment, wo sie die beiden zu sich winken will, fängt ganz vorne ein Mädchen an zu schreien.

 

„Auaaahhhh!“, und sie fängt an zu weinen, „ich bin gestochen worden!“

 

Natürlich sieht sich die Lehrerin zu dem weinenden Mädchen um. Auch Dino wird aufmerksam. Er denkt: Ist das etwa die niedliche Sauriah, die da so weint? Dino will sich prompt um die Kleine kümmern, da passiert es.

 

In dem Moment hoppeln drei kleine Kaninchen über den Weg. Und Ricky nutzt die Gunst der Stunde. Alle sind abgelenkt.

 

Er sagt zu Dino: „Hmmm, ein netter Snack! Die pack ich mir!“ Und er rennt hinter den kleinen Tierchen her und fletscht dabei seine kleinen Stummelzähnchen.

 

Dino versucht zwar noch, Ricky aufzuhalten. Aber der ist schon zu weit weg und entwischt ihm. Dino überlegt kurz, ob er den kleinen Blödmann rennen lassen soll. Und ob er nicht stattdessen die kleine Sauriah trösten soll. Denn die ist ja wirklich verdammt niedlich, denkt er.

 

Aber dann sieht er Ricky von Weitem im Wald verschwinden. Und er denkt sich: Nein, er muss hinter Ricky her, sonst endet das in einer Katastrophe. Dino rennt ihm also nach.

 

Aber, verflixt, denkt der, der kleine Blödmann ist ganz schön schnell. Und außerdem hat der ja auch einen ordentlichen Vorsprung.

 

Dino rennt und rennt. Aber er ist eben auch ganz schön groß. Deswegen muss er schon gut aufpassen, dass er sich nicht an den Ästen verletzt. Dino sieht ihn zwar noch, aber Ricky ist schon ziemlich weit weg.

 

Und plötzlich … ist Ricky verschwunden. Und genau da, wo er gerade noch war, spritzt eine Wasserfontäne hoch. Oh Mann, denkt Dino, der ist doch jetzt bestimmt irgendwo reingefallen.

 

Er hetzt ihm hinterher, und nach kurzer Zeit hat er ihn gefunden. Dino traut seinen Augen nicht! Nach einer kurzen Schrecksekunde prustet er los. Ricky ist in einen Tümpel gefallen, der aber offenbar nicht besonders tief ist. Ricky strampelt im Wasser herum und versucht irgendwie, sein Gleichgewicht wiederzukriegen. Mit seinen kleinen Ärmchen kann er sich ja nicht auf dem Grund abstützen, dann wäre er ja wieder unter Wasser. Ricky prustet wie ein Walross mit Husten. Irgendwie schafft er es, sich auf seinen Hintern zu setzen. Er ist über und über mit Matsche eingesaut. An seiner Nase hängen stinkige Algen. Und als wenn das alles nicht reichen würde: Auf seinem Kopf sitzt ein dicker Frosch, der laut quakt.

 

Aber Ricky lässt sich nichts anmerken. Er sagt zu Dino: „Kommst du auch schon, du lahme Ente? Ich habe einen Badesee gefunden! Komm doch rein, das Wasser ist herrlich!“  

 

Dino kriegt sich nicht mehr ein, ihm laufen vor Lachen dicke Tränen über das Gesicht. Das kann Ricky gar nicht haben. Er schubst den Frosch von seinem Kopf und fängt an zu schreien.

 

„Hörst du Hirni jetzt mal auf zu lachen? Ich bin hier nicht reingefallen, ich wollte bloß ne Runde schwimmen!“ Dino brüllt vor Lachen, er kriegt fast keine Luft mehr!

 

Ricky schreit lauter und sabbert dabei bei jedem z und s, dass ihm die Spucke den Hals runterläuft: „Hör jetffft fffoffort auf fffu lachen, fffonfft beifff ich dir infff Bein!“

 

Da rastet Dino voll aus. Er schreit vor Lachen, hält sich den Bauch. Dino kriegt fast keine Luft mehr. „Du willst mich beißen? Wuuuaaahhhaha!! Mit den kleinen Stummelzähn­chen? Wuuaahhahhahahah! Damit kannst du doch nicht mal einen trockenen Butterkeks knabbern!“

 

Ricky schreit mit wutverzerrtem Gesicht: „JEFFFT REICHTFFF!“ Und er will aufspringen, rutscht aber auf dem matschigen Grund aus und klatscht mit dem Gesicht nach vorn wieder voll in den matschigen Tümpel.

 

Dino denkt sich: Ich guck jetzt besser weg, sonst breche ich hier gleich vor Lachen zusammen. Deswegen sieht er auch nicht die Luftblasen, die direkt an Rickys Hintern aus dem Wasser hochblubbern.

 

 

4   Endgültig verlaufen

 

 

Als Dino sich wieder beruhigt hat, hilft er Ricky aus dem Tümpel raus. Er wischt ihm die Matsche aus dem Gesicht und zupft die Algen von der dicken Nase.

 

Als Ricky einigermaßen sauber ist, stehen sie auf und schauen sich um. Sie wissen zwar noch ungefähr, wo sie hergekommen sind. Aber in welche Richtung sie jetzt gehen müssen, da sind sie sich nicht so sicher. Auch Waldemar, der kleine Schmetterling, flattert planlos in der Gegend herum.

 

Dino fragt leicht besorgt: „Sag mal, Ricky, weißt du vielleicht, wo wir jetzt wieder hinmüssen?“

 

Aber Ricky hat natürlich mal wieder eine große Klappe.

 

„Na logo, du Wackelkopf, immer mir nach!“ Und er stapft entschlossen voran.

 

Dummerweise wird Dino das Gefühl nicht los, dass auch das kleine Großmaul keine Ahnung hat, was sie jetzt machen sollen. Aber Ricky legt noch mal nach: „Ich bin schließlich ein T-Rex, der König der Saurier! Wir wissen immer, wo es langgeht!“

 

„Ja, sicher,“ erwidert Dino, „ihr seid mir feine Könige … Du bist höchstens der König der Furzer! Immer große Klappe, und kommst nicht mal allein aus einem Tümpel raus, der nicht tiefer ist als unsere Badewanne!“

 

Ricky ist darüber so sauer, dass er Dino ins Bein beißen will. Aber weil Ricky nur so kurze Stummelzähnchen hat, merkt Dino fast gar nichts. Er lacht ihn nur an.

 

„Komm, Furzbert, lass das, das kitzelt! Außerdem sabberst du mir nur unnötig meinen Oberschenkel voll!“

 

Ricky will sich gerade richtig aufregen, da hoppelt wieder ein Kaninchen vorbei. Aber Dino hat das schon gesehen und packt Ricky gerade noch rechtzeitig im Nacken.

 

„Stopp, stopp, stopp, sonst muss ich dich gleich wieder irgendwo einsammeln!“

 

Ricky brummelt nur beleidigt, denn das Kaninchen hatte sich schon in Sicherheit gebracht.

 

Allmählich bekommen beide richtig Hunger, haben aber nichts zu essen dabei.

 

Dino sagt: „Ricky, jetzt tu doch nicht so, als wenn du jemals in deinem Leben ein Kaninchen gefangen hättest! Lass die kleinen Dinger doch in Ruhe. Die wollen doch auch nur ganz in Ruhe ihr kleines Kaninchenleben leben!“

 

Ricky lacht aber nur dreckig: „Blödsinn, in Ruhe lassen! Ich bin nun mal ein Raubtier, verdammt, ich bin zum Töten geboren!“ Und dabei schnappt er laut mit dem Maul. Der Sabber tropft ihm dabei bis auf die Brust.

 

Dino schaut ein wenig genervt. Und er denkt sich: Da ist er wieder in voller Fahrt: Furzbert Sabberkowski, König der Vollidioten!

 

Dino will Ricky eigentlich sagen, dass er zu blöd und zu ungeschickt ist, um diese armen, kleinen Kaninchen zu jagen. Aber er will Ricky nicht verletzen und sagt deswegen „Schau mal, Ricky, manchmal bist du vielleicht ein bisschen ... äääh … langsam“ und tippt sich dabei an die Stirn. Er hat nämlich mal gehört, dass Erwachsene „langsam“ sagen, wenn sie eigentlich blöd meinen.

 

Ricky, der kleine Dummkopf, nimmt das aber wörtlich und sagt: „LANGSAM? Jetzt pass mal auf, ich kann nämlich suuuperschnell rennen! Ich kann nämlich sogar schneller rennen als ein Seelöwe!“ Und er dreht sich um und flitzt los.

 

Dino überlegt noch, was er da jetzt wieder für einen Blödsinn geredet hat! Ein Seelöwe ist doch eine Robbe, die haben doch keine Beine, die sind doch total langsam! Und wie er noch so überlegt, zischt Ricky schon wieder weg. Dino reagiert nicht schnell genug, und so entwischt ihm das kleine Großmaul.

 

Links, rechts, zack, um den nächsten Baum, und weg ist er. Oh MANN, denkt Dino, nicht schon wieder! Und er läuft Ricky nach. Pass auf, sagt er zu sich, jetzt passiert doch gleich wieder ein Unglück. Und Dino hat recht. Natürlich stolpert Ricky wieder über eine Wurzel und segelt kopfüber in einen Ameisenhaufen. Vor Schreck lässt er fürchterlich einen fahren , und Waldemar, der Schmetterling, kriegt um ein Haar die ganze Ladung ab.

 

Er flucht und schimpft, fuchtelt hektisch mit den kleinen Ärmchen und versucht, die Biester wieder loszuwerden. Dabei haut er sich selbst ganz feste auf die Nase.

 

Überall juckt es ihn, die kleinen, fiesen Krabbelbiester sind überall. Ricky dreht fast durch.

 

Er kommt ganz bedröppelt zu Dino zurück und sagt kleinlaut: „Dinoooo?“ Ach, schau mal an, denkt Dino. Jetzt, wo ich ihm helfen soll, bin ich wieder der Dino. Vorhin war ich noch der Wackelkopf!

 

Ricky sagt: „Dino, jetzt komm doch mal!“ Und dabei hampelt er ganz hektisch mit seinen Ärmchen und weiß gar nicht, welche Ameise er zuerst loswerden will.

 

Rickys Gesicht ist schmerzverzehrt. „Dino, aaarrrghhh, jetzt KOMM DOCH MAL!“

 

Dino lässt sich ordentlich Zeit und sieht sich das Schauspiel mit einem breiten Grinsen an.

 

„Was ist denn, Majestät? Wie kann ich denn meinem König helfen?“

 

„Oioioi!“, jammert Ricky, „ich glaub, eines dieser Biester ist mir in mein Nasenloch gekrabbelt und beißt mir da jetzt rein!“

 

Ricky pustet zwar ordentlich Luft durch die Nase, aber das Einzige, was dabei rausfliegt, ist seine … na ja, ihr wisst schon, liebe Kinder, was einem eben so aus der Nase fliegt, wenn man sie feste durchpustet. Aber eine Ameise war nicht dabei!

 

Dino kommt näher und schaut ein bisschen angeekelt in Rickys Nasenlöcher. Und tatsächlich sieht Dino da etwas Verdächtiges. Er greift sich ein Stöckchen und versucht, danach zu angeln. Dabei zieht er etwas Grünes raus. Eine grüne Ameise, denkt Dino? Gibt es hier wirklich grüne Ameisen? Und warum bewegt die sich nicht mehr? Ist die etwa tot?

 

Aber dann erkennt er plötzlich, was das ist, und schreit entsetzt: „IGITT, das ist ja ein dicker, grüner Popel!“ Und er wischt das eklige Ding an Rickys Arm ab.

 

Ricky hört aber nicht auf zu jammern. Dino ist zwar genervt, versucht aber trotzdem, ihm zu helfen. Und wie sie so versuchen, Ricky ameisenfrei zu bekommen, vergessen sie ein bisschen die Zeit. Es wird schon langsam dunkel. Das ist natürlich blöd … so ganz allein im Wald.

 

Und Ricky hat Hunger. Er quengelt die ganze Zeit.

 

„Und dann gibt’s bei uns heute auch noch gebackene Krähenfüße! Das ist mein Lieblingsessen. Ich liebe Krähenfüße!“

 

Dino sagt: „Vielleicht solltest du es auch mal mit Obst versuchen! Dafür muss dann wenigstens kein unschuldiges Tier sterben!“

 

Ricky sagt: „Du spinnst wohl! Ich und Obst!“ Und er baut sich vor Dino auf. „Ich bin nun mal ein eiskalter Killer! Das Töten liegt mir im Blut!“

 

Dino zuckt nur mit den Schultern: „Der Einzige, der am Ende tot ist, bist du! So ungeschickt, wie du bist, brichst du dir noch den Hals, wenn du wie ein Verrückter durch den Wald rennst!“

 

Ricky platzt fast vor Wut. Er will Dino wieder mal ins Bein beißen, sabbert ihn aber nur noch mal voll. Und – PRÖÖÖT  – furzt dabei vor Wut so laut, dass die Vögel aus den Bäumen wegflattern.

 

Und dann schauen sie sich beide um und machen beide ein dummes Gesicht. Die wilde Jagd durch den Wald … über Stock und Stein, wie man so schön sagt … Beide haben keine Ahnung, wo sie sind. Sie haben sich nun endgültig verlaufen. Es wird allmählich dunkel. Und kalt. Beide kriegen langsam richtig Hunger.

 

Tja, liebe Kinder, und dann ist es so weit, dann passierts: Plötzlich kommen die Räuber.


Naaa?

 

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